Tanz auf dem Vulkan
oder war es doch eher der Ritt auf der Kanonenkugel? Nachdem meine MTB Prämiere beim Kellerwald Marathon dem Wetter zum Opfer fiel, entschied ich mich kurzerhand für den Vulkan MTB Marathon in Schotten.
Die Startzeit von 10.00 versprach eine entspannte Anreise, ich war ca. 8.30 da. Genug Zeit um das hektische Treiben der anderen Teilnehmer zu beobachten. Während es bei einer RTF ja eher gemütlich losgeht und in Ruhe noch ein Kaffee getrunken wird, wurde hier das volle Programm aufgefahren. Vom eigenen Werkstattwagen bis hin zum Rollentrainer zum warm fahren war alles dabei. So langsam kam ich ins grübeln ob es richtig war mich für die Langstrecke mit 108 km mit 2400 HM anzumelden. Egal, das Startgeld war bezahlt und ich fuhr mich auch ein wenig warm. Der Sprecher am Start erzählte noch was von Frost "oben im Gebirge"??? Ich hatte mich dann doch noch für die Beinlinge entschieden, ausziehen konnte man die immer noch falls es zu warm wurde. Dann ging´s vorwärts, die Lizensfahrer verschwanden nach der Neutralisation auf Nimmerwiedersehen, ich hechelte in meinem Startblock am Rande des mir möglichen in den Anstieg, wohl wissend das es knapp 400HM auf den ersten 7km sind. Ich redete mir zwar ein, nicht über der Schwelle fahren, aber wenn ich nicht gnadenlos als letzter der ca. 80 Marathon Starter da stehen wollte, musste ich da jetzt durch. Asphalt gab es nicht viel, nach ca. 3 km wechselte es in einen kleinen anspruchsvollen Waldweg, mit Wurzeln und Gras. Der Steigungsmesser ging nicht einmal unter die 10% und der Puls nicht unter 160. Ich biss mich so gut es ging an einer Gruppe fest und nutzte auch noch einen Fahrfehler um mich an die Spitze zu setzen, das Rennfieber hatte mich gepackt. Auf sehr welligen Terrain ging es fortan durch herrliche Landschaft, soweit ich ein Auge dafür hatte. Gerade als es in den sehr ruppigen Wildsautrail ging, schloss eine Fahrerin von hinten auf und machte ihre technische Überlegenheit lauthals spürbar. Platz machen ging eh nicht, also lies ich es so gut es ging laufen. Raus aus dem Wald ließ ich sie vorbei und versuchte ihr Hinterrad zu halten. Irgendwoher kannte ich sie, aber woher nur? Nochmals neben sie gefahren, sag mal, warst du letztens in Thüringen mit dem Rennrad unterwegs? Sie schaute kurz rüber, ja Hey, du bist es. Wir hatten die junge Dame mit der Startnummer 75 auf unserem Thüringen Tripp kennengelernt (Hans, das junge kleine Ding mit dem Rucksack) als sie uns ca. 30 km in Richtung Saalfeld begleitete. Sie erzählte noch kurz was von ihrem ersten Rennen in diesem Jahr, und zog weiter am Tempo zu einem vor uns fahrenden Fahrer auf, der sofort in die Pedale trat um uns wieder abzuschütteln. Ich war schon mehr
als angeschlagen, und das bei ca. km 25 und konnte und wollte nicht mehr folgen.
Der Rest ist kurz erzählt, ab und zu kämpfte ich mich an die beiden wieder ran, Verpflegung während der Fahrt muss noch geübt werden. Aus 50 m Entfernung werden die Posten angeschrien was man den gerne hätte, die reichen dann neue Flaschen mit Wasser, geöffnete Bananen oder sonstiges. Anhalten wie bei einer RTF liegt wohl nicht im Sinne, also muss das einhändig fahren mit nem Becher ISO in der Hand, während der Puls rast noch dringend ins Trainingsprogramm aufgenommen werden:)
Nach und nach schossen an mir die ersten Fahrer der 28 und 54 Strecke an mir vorbei, während ich mit mir meinen Frieden gemacht hatte und entschloss, NEIN, es wird keine 2. Runde geben. Zeitlimit pro Runde waren 3h 30, ich hatte im Ziel eine 2h 48, aber nachdem ich in der 1. Runde so über meinem Limit gefahren bin wäre ich offensichtlich kläglich eingegangen. Also ignorierte ich den Fahnen schwingenden Einweiser der mich auf die nächste Runde schicken wollte und nahm direkt am Kuchenbuffet Platz:)
Somit belegt ich den Platz 176 von 357, gutes Mittelfeld:)
An Christoph und Bernd soll ich schöne Grüße bestellen, glaube es war Lars Lindemann? der mir das ausrichtete:)
Hans, nachdem ich dann zu Hause war, hab ich dann mal gegoogelt wer das Mädel war. Das war Katja Hentschel, wichtigste Erfolge: 2. Rocky Mountain Serie 08; 1. 24h München 09; 1. Rocky Mountain Serie 10, Thüringer Meisterin XC / Marathon 10; 2. EBM Seiffen 08, 09, 10
Kein Wunder das sie mich in Grund und Boden gefahren hat!
Auf eine neues beim Spessart Marathon in Frammersbach, dann aber mit angezogener Handbremse.